Hattu Hallenkoller? Oder: Warum Schach spielen geiler ist als Reiten (theoretisch).

Und das Wetter heute so: Regen, hihi! Und ich so: och nö ey! Kennst Du diese Tage? An denen Du Dich fragst, warum ausgerechnet Reiten Dein Hobby sein muss? Hätte es Schach nicht vielleicht auch getan? Oder vielleicht… Briefmarken sammeln? Diese grauen Wintertage sind die, wo ich genau verstehen kann, wenn Leute, die nicht reiten, total befremdet sind, wenn ich in den Stall fahre. „WARUM?“ steht da (in Großbuchstaben!) in ihrem Blick geschrieben („Du könntest jetzt mit mir hier auf der Couch chillen! Mit Chips! In Trainingshosen! Und jetzt stehst Du vor mir in GUMMISTIEFELN um DA RAUS ZU GEHEN? In dieses unendliche GRAU? ARE YOU CRAZY, Mädel?!“, steht da). Und ich hab kein Gegenargument, also nicht so richtig. Dann fahr ich in den Stall. Auf dem Fahrrad.

Kennst Du Pfützenkrokodile? Dein Pony auf jeden Fall!

Steige klatschnass ab und slalome um die Stallpfützen, um kurz darauf mit dem haarigklebrigen Pony um eben diese Pfützen gemeinsam zu slalomen. Ich mein, das Pony findet ja auch, dass es keinen einzigen Grund dafür gibt, DURCH diese Pfützen zu laufen. Kennst Du Pfützenkrokodile? Dein Pony auf jeden Fall! Der Platz ist dann eine einzige Pfütze. Na toll.

Da fällt Dir dieses Ding auf dem Stallgelände wieder ein. Dieses riesige Teil, was Du den ganzen Sommer übersehen hattest, quasi. Verdrängt, ignoriert und jeden Tag begeistert gegen frische Luft, Bäume, singende Vögel und Wiesenduft getauscht hast. Du warst im Rausch! Das Pony auch. Du vom Sommer. Der Freiheit. Dein Pony vom Duft des frischen Grases, dem Gedanken an die Rückkehr auf die Weide. Und plötzlich ist all das erstmal Geschichte. Bumms, aus! Und da ist plötzlich dieses Ding. Die. Halle.

Höhlenreiter waren Dir schon immer suspekt

Im Sommer, da sind da doch nur die komischen Leute unterwegs. Hast Du Dich schon immer gefragt, was die da drin machen, am hellerlichten Tag? Höhlenreiter, die waren Dir immer suspekt. Und jetzt triffst Du sie wieder. Da sind sie, ganzjährig, ihre Linien und exakten Kreise sauber in den Sandboden ziehend. Und Du so: „Türfreibitte“.  Und die Höhlenreiter so: „DU hier?“ Als ob das ihre Party wäre, hallo?!

Türfreibitte

Hattu Hallenkoller?

Die Tür geht schwer auf. Aber noch schwerer geht das Pony. Das musst Du jetzt hinter Dir her schleifen, wie Deinen Mann beim Schaufensterbummel. Du bist geblendet vom Bahnhofshallenlicht und Dein Pony: Schnarchmodus. Chrrrr…

Also, so war das heute bei mir. Reithallenreiten, das ist wie Ski fahren in ner Skihalle. Wie sagt man so schön: kannste schon machen. Aber ist dann halt kacke.

Und nicht nur das Ambiente ist wie Bahnhofshalle: auch der Verkehr. Überall bewegt sich was! Und Du musst plötzlich nicht nur wissen, wo hinten und vorne ist, nee, auf einmal musst Du auch wieder dran denken, wer wann wo in welcher Gangart welche Regeln einzuhalten hat. Und außerdem wollen die Höhlenreiter ja auch wissen, was Ihr beide da draußen den ganzen Sommer so gemacht habt, nech? Gerade Linien geritten? Nah. Ecken ausgeritten? Mitnichten. Zirkel? Ach, geh! Schlangenlinien? Höchstens nach’m Schützenfest. (Okay, ich war noch nie auf einem Schützenfest, aber, das stell ich mir so vor, dass man danach Schlangenlinien reitet, wenn man danach überhaupt noch reitet. Also wenn, dann da.) Gelernt hast Du also nichts, was Dich auf der Höhlenreiterparty jetzt zum Star des Tages machen würde. Denn: Du hast Spaß gehabt. Ja, das Ponpon und Du, Ihr hattet Spaß da draußen. So richtig, mit lachen und so!

Schön schlafi schlafi machen!

Und jetzt, dachte ich mir, als ich nach drei Runden Trab durch die Bahnhofshalle wieder abstieg (soll ja auch nicht so schwitzen, der Puschel): jetzt ist der Spaß vorbei! Reicht jetzt. Jetzt nehm ich das Pony, mach ihm ein warmes, kuscheliges Nest aus Stroh in einer Kiste, lege es da rein, mit einem Sack Möhren vielleicht und dann: Winterschlaf! Gute Nacht, Puschel! Manchmal komm ich vorbei, kuschel mich an das schlafende Pony und hab es lieb. Und geh wieder zur Trainingshose und den Chips.

Winterschlaf

Schön schlafi schlafi machen!

Und wenn die Sonnenstrahlen uns wieder in der Nase kitzeln, die Wiese ruft, dann pack ich das gut ausgeschlafene Pony aus der Kiste. Freude! Großes Hallo! Und schepper mit ihm durch den Wald, dass sich die Bäume biegen und es dem Kuckuck den Vogel raushaut! Dingdong!

Kuckuck

KUCKUCK wir KOMMEN!

Bis dahin spiel ich Schach. Oder lese das Handbuch Ponyreiten. Oder sammel Briefmarken. Biste dabei?

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