Dirk, Andreas oder Kevin? Der Reitbegleitmann

Andreas, Dirk oder Kevin? Welcher ist Dein Reitbegleitmann? Er gehört zu den eher nebensächlichen Alltagsobjekten des Reitsports: Der Reitbegleitmann (nicht zu verwechseln mit dem Reitbegleithund, aka Jack Russell Plärrier, der stets weiß, wie man sich in den Mittelpunkt hüpft und bellt). Völlig zu recht fristet er ein relativ belangloses Dasein, es sei denn, es handelt sich um einen Tom, aber so einen meine ich nicht. Ich meine jetzt auch nicht Larry, der da arbeitet. Nee, der ist ja voll nett und lieb und so und tut niemand was zu leide, aber zählen tut er nu echt nicht.

Nee, ich meine, Du weißt schon welchen. Deinen zum Beispiel. (Du hast gar keinen? Scheiß auf den Prinzen, ich nehm den Gaul und so? Auch gut, kannste wenigstens inner Glotze gucken, was Du willst und Deine Schabracken in der Waschmaschine waschen.) Was ich aber sagen wollte: Irgendwie sind Reitbegleitmänner doch komisch, ne? Also, im Stall, ich weiß nicht, woher das kommt, wenn es nicht gerade ein Tom ist, dann wirken Männer da voll deplatziert. Was sagt Dein Psychologe, warum ist das so? Ist das vielleicht, weil da keiner bei Drei aufm Baum is, wenn er die Stimme erhebt? Oder, weil da wenige andere Schnipis rumlaufen? Fühlen die sich da unwohl, weil wir Mädels uns ja immer und die ganze Zeit über unsere Periode unterhalten oder uns ja voll einer abgeht, wenn wir auf dem Pferd sitzen? Oder wird ihnen da bewusst, dass wir nicht nur megaüberviel schlauer sind, sondern auch noch schnorchelnde Reitdinosaurier bändigen können? Oder dachten sie bisher immer „das Pony“ sei so ein Teil, was Dir nur bis zum Knie geht? Man weiß es nicht. Fest steht: Der Reitbegleitmann ist ein seltsames und, zu recht, völlig unbeachtetes Wesen. Widmet man der unauffälligen Spezies jedoch mal kurz länger Aufmerksamkeit als nötig, so kristallisieren sich Unterarten heraus, die irgendwie… ach, sie sind ja schon liebenswert, die schrägen Typen, die sich da in der Stallgasse herumdrücken oder laut quietschend Reißaus nehmen, wenn Pummel dann doch mal etwas zu beherzt nach der Möhre züngelt.

Als da wären:

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Reitbegleitmann „Typ Anwalt“: Der hat den Gaul zwar bezahlt, lässt sich aber selten am Stall blicken. Im Büro ist er der Hengst, im Stall aber nicht, das findet er seltsam und außerdem findet er Pferde „ganz schön groß“. WENN er mal frei hat, schön auf nen Sonntach, dann holt er Dich mal aufm Turnier ab. Da macht er sogar ein paar Fotos mit Euer neuen, schicken Kamera, oder von der Dressurstunde. Du erkennst ihn schon von Weitem, weil er um die Äppel aufm Boden herumstakst, wie ein Storch im Salat. Er kommt nämlich direkt ausm Büro und hat seine feinen Schuhe noch an. Dein Pferd schafft es noch, ihm ein paar Begrüßungsstrohhalme auf die Sakkoschulter zu kleben, das war’s dann aber auch mit dem Kontakt zwischen Deinen zwei Liebsten.

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Reitbegleitmann „Typ Kevin“: Kevin ist der Freund von der pubertierenden Besitzerin von Don Cravallo. Kevin würde jetzt lieber einen Wodka Red Bull trinken und fett einen rauchen, aber, weil Mandy so tolle Hupen hat und er hofft, dass die beim Reiten lustig wackeln und die von den anderen Mandys auch, kommt er mit in den Stall. Lässig drückt er sich in Don Cravallos Nähe herum und ist voll Gangsta, bis Don Cravallo auf die Idee kommt, ihn höflich zu fragen, ob er ein Leckerli in der Tasche hat. Da quiekt Kevin wie ein Meerschweinchen und springt mit einem riesigen Satz auf Mandys Arm.

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Reitbegleitmann „Typ Dirk“: Hast Du Dirk schon mal im Stall gesehen und er hat NICHT auf seinem Handy telefoniert? Ich auch nicht. Ich glaube, wir sind uns einig: Dirk zählt nicht.

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Reitbegleitmann „Typ Andreas“: Andreas ist voll der Nette. Er mag Tiere, ist in seiner Jugend auch schon mal auf Nachbars Haflinger den Acker hoch und runter geritten und würde vielleicht irgendwann auch mal reiten lernen wollen, hat sich bisher noch nicht so ergeben und Ihr seid ja auch noch nicht sooo lange zusammen. Er streichelt Deinem Pferd höflich zur Begrüßung die Nase und hilft Dir manchmal sogar beim Misten, wenn er die richtigen Schuhe an hat. Durch Dich hat er gelernt, dass ein „doppelt gebrochenes Gebiss“ kein Accessoire aus einem Horrorfilm ist und manchmal träumst Du von einer Zukunft mit ihm auf Eurem gemeinsamen Pferdehof. Dann deutet er vorsichtig an, dass er doch ganz gern in der Stadt wohnt und zupft, möglichst unauffällig, ein paar Pferdehaare von seinem Autositz. Er unterstützt Dich voll in Deinem Hobby, aber es ist ihm schon auch wichtig, dass die sonntäglichen Besuche bei seinen Eltern nicht darunter leiden.

Und, welchen haste nu? Egal, eigentlich. Hauptsache, sein Pulli passt zur neuen Schabracke, sonst beißt es sich. Das wäre blöd.

 

 

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Ein Gedanke zu “Dirk, Andreas oder Kevin? Der Reitbegleitmann

  1. Toller Beitrag! Sehr hurmorvoll geschrieben.

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